Du bist mit Deinem Hund unterwegs und plötzlich kommt Euch ein anderer Hund entgegen. Dein Hund wird langsamer, schaut kurz zur Seite, schnüffelt am Boden oder läuft einen kleinen Bogen. Vielleicht fragst Du Dich: „Was macht er denn jetzt?“ Dabei kann Dein Hund gerade sehr deutlich kommunizieren – nur eben auf seine ganz eigene Art. Beschwichtigungssignale sind vor allem deeskalierende Signale. Hunde nutzen sie, um Situationen zu entschärfen, Konflikte zu vermeiden und ihrem Gegenüber zu zeigen, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Sie können damit ihr Gegenüber und manchmal auch sich selbst beruhigen und besänftigen.
Unsere Hunde bringen diese Form der Kommunikation bereits mit. Sie müssen nicht lernen, einen Blick abzuwenden, zu blinzeln oder langsamer zu werden. Im Laufe ihres Lebens sammeln sie jedoch Erfahrungen damit und lernen, welche Signale bei ihrem Gegenüber gut funktionieren. Deshalb lohnt es sich für uns Menschen, diese feine Sprache kennenzulernen – denn oft sagen unsere Hunde schon sehr viel, bevor sie überhaupt deutlicher werden müssen.

Zu den möglichen Beschwichtigungssignalen gehören unter anderem Züngeln, Blinzeln, Blick oder Kopf abwenden, den Blick verkürzen, Gähnen, sich abwenden und den Rücken zeigen, langsamer werden, sich hinsetzen oder hinlegen, eine Vorderkörpertiefstellung, Markieren oder das Anheben einer Pfote. Wichtig ist aber: Nicht jedes dieser Verhaltensweisen bedeutet automatisch Beschwichtigung. Ein Hund kann gähnen, weil er müde ist, oder schnüffeln, weil gerade ein spannender Geruch vorhanden ist. Deshalb schaue ich immer auf den gesamten Hund und den gesamten Kontext: Wie intensiv ist das Signal? Wie häufig zeigt er es? Welche weiteren körpersprachlichen Signale sind zu sehen? Und was passiert gerade in der Situation?
Gerade bei Hundebegegnungen können wir diese Kommunikation wunderbar beobachten. Ein Hund kommt auf einen anderen zu und dieser wird langsamer, wendet den Kopf ab oder läuft einen kleinen Bogen. Vielleicht beginnt er zusätzlich zu schnüffeln. Für uns sieht das manchmal nach einem zufälligen Verhalten aus. Für Hunde kann es jedoch eine klare Botschaft sein: „Ich möchte keinen Konflikt. Von mir geht keine Gefahr aus.“ Genau deshalb finde ich es so wichtig, dass wir diese deeskalierende Kommunikation zulassen. Wenn Dein Hund bei einer Begegnung langsamer wird, einen Bogen laufen möchte, den Blick abwendet oder kurz schnüffelt, muss das nicht unterbrochen werden. Freundliche Kommunikation darf stattfinden.
Wenn Dein Hund beschwichtigt, müssen wir also nicht sofort etwas „tun“. Zunächst einmal können wir wahrnehmen, was er uns zeigt. Zeigt er solche Signale allerdings besonders häufig oder sehr intensiv, lohnt sich ein genauerer Blick. Vielleicht können wir die Situation verändern, etwas mehr Abstand schaffen oder unseren Hund anders unterstützen. Beschwichtigung ist keine Unart und kein Verhalten, das wir verbieten oder bestrafen sollten.
Für mich gehört das Lesen der Körpersprache deshalb ganz selbstverständlich zum Hundetraining – egal, ob beim Welpen, Junghund, im Alltag oder bei besonderen Herausforderungen. Ich möchte Dir nicht nur zeigen, was Dein Hund tun soll, sondern auch, was Dein Hund Dir bereits sagt. Denn je besser wir unsere Hunde verstehen, desto besser können wir sie begleiten.
Vielleicht achtest Du beim nächsten Spaziergang einmal ganz bewusst auf die kleinen Signale Deines Hundes. Nicht mit der Frage „Was macht er falsch?“, sondern mit der Frage: „Was möchte er mir gerade mitteilen?“ Du wirst vermutlich feststellen, dass Dein Hund viel mehr mit Dir und seiner Umwelt kommuniziert, als Du bisher wahrgenommen hast.
Für mich bedeutet gutes Hundetraining deshalb nicht nur, dass der Hund uns versteht. Es bedeutet auch, dass wir lernen, unseren Hund zu verstehen. 🐾