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Ist positive Verstärkung nur Leckerchen werfen?

Wer sich mit moderner Hundeerziehung beschäftigt, begegnet früher oder später dem Begriff positive Verstärkung. Leider hält sich hartnäckig ein Missverständnis: Viele glauben, positives Training bedeute nichts anderes, als dem Hund ständig Leckerchen zu geben.

Doch das greift viel zu kurz.

Was bedeutet positive Verstärkung überhaupt?

Positive Verstärkung bedeutet, dass auf ein gewünschtes Verhalten etwas Angenehmes folgt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund dieses Verhalten in Zukunft häufiger zeigt. Das kann ein Leckerchen sein – muss es aber nicht. Entscheidend ist nicht die Art der Belohnung, sondern dass der Hund sie als Belohnung empfindet.

Was kann eine Belohnung sein?

Jeder Hund hat unterschiedliche Vorlieben. Für den einen ist Futter die grösste Motivation, für den anderen ein gemeinsames Spiel oder die Möglichkeit, schnüffeln zu gehen.

Positive Verstärkung kann beispielsweise sein:

  • ein hochwertiges Leckerchen
  • ein gemeinsames Zerrspiel
  • freundliches Lob
  • Streicheln (wenn der Hund es in diesem Moment mag)
  • Freigabe zum Schnüffeln
  • Loslaufen dürfen
  • den Ball holen
  • Kontakt zu einem Hundekumpel
  • ins Wasser springen dürfen

Alles, was der Hund als angenehm empfindet und das gewünschte Verhalten verstärkt, kann als Belohnung eingesetzt werden.

Warum werden so oft Leckerchen verwendet?

Futter hat einige praktische Vorteile:

  • Es ist schnell verfügbar.
  • Es lässt sich punktgenau einsetzen.
  • Viele Hunde sind dafür gut motivierbar.
  • Es unterbricht den Trainingsfluss kaum.

Gerade beim Erlernen neuer Verhaltensweisen ist Futter deshalb häufig das einfachste und effektivste Werkzeug. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Hund sein Leben lang nur für Leckerchen arbeitet.

Belohnungen sinnvoll einsetzen

Ein weiterer Irrtum lautet: „Wenn ich einmal mit Leckerchen anfange, muss ich meinen Hund für immer bezahlen.“

Tatsächlich läuft gutes Training anders.

Zunächst wird neues Verhalten häufig belohnt, damit der Hund versteht, was sich lohnt. Mit zunehmender Sicherheit werden die Belohnungen abwechslungsreicher und variabler. Manchmal gibt es Futter, manchmal Spiel, manchmal Lob und manchmal besteht die Belohnung einfach darin, dass der Hund das tun darf, was er ohnehin möchte.

Ein Hund, der gelernt hat, dass sich Zusammenarbeit lohnt, entwickelt mit der Zeit eine hohe Motivation, mit seinem Menschen zu kooperieren.

Positive Verstärkung bedeutet nicht grenzenlose Freiheit

Ein freundlicher Umgang mit dem Hund heisst nicht, dass alles erlaubt ist.

Auch im positiv aufgebauten Training gibt es Regeln, Management und klare Strukturen. Der Unterschied liegt darin, dass erwünschtes Verhalten aktiv aufgebaut und verstärkt wird, anstatt unerwünschtes Verhalten hauptsächlich zu bestrafen.

Ein Hund lernt dadurch nicht nur, was er nicht tun soll, sondern vor allem, welches Verhalten sich lohnt.

Denn am Ende geht es nicht darum, den Hund zu „bestechen“, sondern ihm verständlich zu zeigen: Dieses Verhalten lohnt sich. Gemeinsam erfolgreich zu sein macht Spass.

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